Wie authentisch können wir sein?

Im Jahr 1994 machte der Psychologe Daniel Wegner, Professor an der Harvard University, mit dem Ergebnis einer Studie auf sich aufmerksam. Er entdeckte einen kognitiven Verarbeitungsmechanismus, den er später „ironische Prozesse“ nannte: Ein Objekt, Gedanken oder das Verhalten, das man in Gedanken zu vermeiden suchte, drängt sich gerade dann in den Vordergrund.

 

In seiner Studie wurden Teilnehmer aufgefordert, jegliche Gedanken an weiße Bären zu unterdrücken. Natürlich hatten sie Schwierigkeiten das zu tun. Und später, als das Gedankenverbot aufgehoben wurde, dachte diese Gruppe signifikant häufiger, länger und intensiver an weiße Bären, als die Kontrollgruppe.

 

Impulse die unterdrückt werden, werden umso stärker.


Denn dieser Unterdrückungsversuch wird von einer ständigen neuronal gebahnten „Sorge“ begleitet, der beiseitegeschobene Impuls könnte trotzdem noch auftreten. Denn um einen Gedanken aus dem Bewusstsein zu verbannen und entsprechende Handlungen zu vermeiden, arbeiten laut Wegner zwei Prozesse Hand in Hand: Zum einen sucht das Gehirn aktiv nach einer Ersatzbeschäftigung – zum anderen aber hält es den unerlaubten Gedanken nebenbei verfügbar und durchforstet alle anderen Denkprozesse danach – wenn auch unbewusst.

 

Wenn dann noch die Belastung durch andere Anforderungen so groß wird, dass die bewusste Ablenkung behindert wird, führt dieser Überwachungsprozess dazu, dass der Impuls wieder in den Vordergrund tritt. (Wegner 1994).

 

Wie ist das mit zwischenmenschlichen Beziehungen? Auch hier kommt zwischen den Zeilen durch, wie wir jemandem gegenüberstehen. Denn das, was ggf. an Vorbehalten da ist, aber nicht ausgesprochen wird, vermitteln wir dem Gesprächspartner doch auf die eine oder andere Weise.

 

Und je mehr wir in Stress geraten, desto mehr kann das Unterdrückte nach vorne drängen, weil die Überwachungsprozesse dann nicht mehr stark genug sind. Das Fatale daran: die Energie die für den Vermeidungsprozess gebraucht wird, blockiert andere, konstruktive Prozesse.

 

Wie geht es mir im Kontakt?

 

„Ich darf nicht zeigen, dass ich damit nicht einverstanden bin.“

„Die Chemie stimmt nicht – aber das darf er ja nicht merken.“

 

Was ist DA?

 

Unsere unbewussten Wächter wissen es. Für unser Bewusstsein ist es nicht immer zugänglich.

Der Weg aus diesem Dilemma heißt: die eigene innere Einstellung dem Gesprächspartner gegenüber genau prüfen. Denn diese kommt an.

 

"Zwischen den Zeilen“ sich selbst zuhören.

 

In sich hineinhorchen können hilft dabei einer authentischen Haltung auf die Spur zu kommen. Um dann, sich-selbst-bewusster zu bestimmen, was davon ausgesprochen werden will und sollte. Was im Moment sinnvoll und nützlich ist. Das zu entscheiden, setzt ein Bewusstsein dessen voraus. Und die Frage danach, wie authentisch wir sein können, schließt daher auch die Frage ein:

 

Wie authentisch wollen Sie sein?

 

Sie können es entscheiden, denn authentisches Verhalten wirkt nur von innen heraus.

 


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