Schwierige Menschen

Vielleicht haben Sie während eines Coachings oder in der Beratung schon ähnliches erlebt:

 

Der Coachee kommt mit einem klassischen Coachingthema: Ein Stellenwechsel soll begleitet werden. Ein Thema, das sich gut in ein paar Sitzungen bearbeiten lässt, sollte man meinen.

 

Doch schnell zeigt sich, dass die Gespräche schwieriger werden als vermutet. Die Interventionen wirken nicht so wie gewohnt, und mit der Zeit kommt beim Coach Ärger oder sogar ein Gefühl des Scheiterns auf:

Irgendetwas läuft nicht rund, er spürt einen wachsenden Druck und greifbare Ergebnisse kommen nicht zustande. 

 

Zum vereinbarten Ziel, das am Anfang klar umrissen schien, bringt der Coachee bald immer mehr Nebenthemen ein: Da sind die Kollegen, der Vorgesetzte, die Kunden etc., die ihm das (Arbeits-)Leben schwer machen. Und auch seine Belastung wächst durch immer mehr Aufgaben (die der Coach jetzt auch noch an ihn stellt). Das Thema gemeinsam mit dem Coachee einzugrenzen, gelingt dem Coach jedoch nicht. Denn immer wieder werden Widerstände deutlich - vor allem wenn die Interventionen das Erkennen möglicher Eigenanteile des Coachees anregen sollen. Sobald es in Richtung Reflexion der eigenen Kommunikations- und Verhaltensmuster geht, wird der Coachee spürbar aggressiv. Schuld sind seiner Ansicht nach immer die anderen oder die Umstände, er alleine handelt richtig, so seine Überzeugung. Dieses problematische Verhalten zeigt er nicht nur einmal, sondern durchgehend.

Eine anstrengende Persönlichkeit.

Sicher: Wann genau ein Mensch als schwierig empfunden wird, unterscheidet sich individuell und hängt davon ab, mit welchen Verhaltensweisen nicht oder nur eingeschränkt konstruktiv umgegangen werden kann. Dennoch haben als schwierig empfundene Menschen eines gemeinsam: Die Probleme werden vor allem in der Beziehungsgestaltung sichtbar.

Das macht sie zu einer besonderen Herausforderung, schließlich steht im Coachingprozess mehr noch als das inhaltliche Problem die Gestaltung der Beziehung zwischen Coach und Klient im Vordergrund. Sie entscheidet über den Verlauf des Coachings und den Erkenntnisgewinn des Coachees. Teil eines solchen Beziehungsproblems können z.B. Komplimente an den Coach sein ("Nur Sie verstehen mich"), die verbunden sind mit Appellen wie:

 

"Helfen Sie mir, aber lassen Sie mich in Ruhe" oder "Sagen Sie, dass  die anderen im Unrecht sind und ich im Recht".

 

Das mangelnde Reflexionsvermögen des Klienten offenbart sich dabei nicht erst in der fehlenden Umsetzungsmotivation. Was noch schwerer wiegt: Mit diesem Verhalten schafft der Coachee Distanz zum Coach und zu sich selbst - und stellt damit den Coachingauftrag insgesamt in Frage.

 

Doch wie können Coachs damit umgehen und dennoch einen konstruktiven Coachingprozess gestalten? Dazu reicht es eben nicht, einfach die richtigen Coachingtools und -techniken aus "dem Hut" zu zaubern. Deren Wirksamkeit endet nämlich genau dann, weil sie bestimmte Einordnungen voraussetzen: Welches Problem wird damit am ehesten gelöst, welches Ziel erreicht? Solche Tools einzusetzen hat zwar durchaus seinen Nutzen - aber auch seine Grenzen. Insbesondere bei einem schwierigen Menschen kann es eher Widerstand in Form von Zurückweisungen, Vorwürfen und Verallgemeinerungen auslösen oder man "schwimmt" (im doppelten Sinne) an der Oberfläche.

 

Ein spezifisches, personorientiertes Beziehungsangebot hingegen kann ein  konstruktives Arbeiten unterstützen. Es nimmt den Coachee als ganze Persönlichkeit wahr - und das gerade in kritischen Konstellationen und in schwierigen zwischenmenschlichen Situationen.

 

Wenn nichts mehr zu wirken scheint, können Menschen durch ein echtes personzentriertes Beziehungsangebot erreicht werden.   

 

So können Themen und Zusammenhänge für ihn sichtbar werden, die er bisher (noch) nicht annehmen konnte, die ihn überhaupt erst zum "schwierigen" Menschen machen. Coachs sollten bedenken: Insbesondere schwierige Menschen benötigen ein förderliches Beziehungsangebot mehr als andere.  

 

Und doch brauchen diese Menschen Grenzen: empathisch-wertschätzend-klar-und-deutlich: „Ja, genau so ist das und das steht nicht zur Option – möchten Sie unter diesen Bedingungen weiter machen/weiter diese Aufgabe übernehmen/weiter an diesem Projekt mitarbeiten…?“   

 

Eine wertschätzende Beziehungsgestaltung ist auch Klarheit in den Anforderungen. Denn es sind nicht nur die Werte des anderen, die schützenswert sind.

 


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Dies ist die Seite zu Themen rund um Gesprächsführung & Persönlichkeitsentwicklung.

"GesprächsArt" ist der Blog der Dt. Akademie für Coaching und Beratung.

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