Was ein Gefühl alles kann

 

Da meldet sich wieder das Bauchkribbeln, die Verspannung im Nacken oder der Kloß im Hals: körperliche Anzeichen, die auf ein entstandenes Gefühl hinweisen.

 

Vielleicht auf Ärger, Trauer, Freude.

 

Doch was war zuerst da? Der Gedanke, die Aussage: „Ich ärger mich gerade“, der Moment in dem gefühlt wird, dass das Herz „bis zum Hals schlägt“ und es dann als „Aufregung vor Freude“

identifiziert wird?

 

António R. Damásio, ein portugiesischer Neurologe, unterscheidet Emotion und Gefühl: Eine Emotion ist die erste unwillentliche Reaktion, die auf einen Reiz folgt. Emotionen zeigen sich dann durch einen „Kloß“ im Hals, durch Nackenspannungen, durch „Bauchkribbeln“. Diese werden dann mit Gefühlen belegt: das Wahrnehmen der emotionalen Körperzustände. Ein Gefühl ist also ein bewusstes Wahrnehmen eines Körperzustandes: Das Bauchkribbeln kann dann als „Freude“ benannt werden, der verspannte Nacken als Angst, aus dem „Kloß im Hals“ wird ein „ich bin traurig“.

 

Doch manchmal wird von Gefühlen geredet, wenn es eigentlich um Standpunkte oder Deutungen geht: „Ich habe das Gefühl, dass Sie um jeden Preis Ihre Meinung durchsetzen wollen!“ Es ist eine Pseudo-Gefühlssprache. Denn „wo“ ist hier welches Gefühl, wo doch „Gefühl“ von „Fühlen“ kommt und somit einem Körper-Ort zuzuordnen ist.

 

Rational kann eine Emotion und ein Gefühl gedacht werden. Gefühle nur „im Kopf“ zu haben ist eine Entfremdung vom Fühlen. Das Gefühl wird dann nicht gefühlt, sondern angenommen, dass es sich so anfühlt. Denn:

 

Ein Gefühl trägt Bedürfnisse mit sich. Z.B. das Bedürfnis nach Loyalität, nach Anerkennung, nach Nähe oder Distanz…. Dieses Gefühl kann als grundsätzlich oder temporär "passend" oder „nicht passend“ von der Person selbst gewertet werden: es passt für sie nicht in die aktuelle Situation, nicht zur gestellten Anforderung/Aufgabe, ist nicht förderlich, um ein Problem zu lösen. Doch es ist da - und damit ist es das aktuell passende, zu der Person, die es gerade spürt oder spüren könnte.

 

Woher kommen Gefühle? Und was kann so beunruhigend oder störend an einem Gefühl sein, dass es sich nicht zeigen kann? Vielleicht so ver-störend, dass ES wieder in den Untergrund verschwinden soll?

 

Gefühle scheinen das „Funktionieren“ zu stören. Dann schiebt sich „das Etwas“ zwischen Person und Handlung. Das Gefühl hindert dann vielleicht beim rationalen Denken - doch das Verdrängen bewirkt eine Störung der „Funktion“ der gesamten Person – es kostet unweigerlich viel Energie und Kraft ein Gefühl beiseite zu schieben. Besonders langfristig.

 

Gefühle können den Organismus aktivieren oder sie können ihn lähmen; sie geben jedoch immer Orientierung und steuern und setzen Prioritäten. Damit regulieren sie die Person, der sie zugehörig sind und auch die, die mit dieser gerade im Gespräch in Beziehung stehen.

 

Ein Gefühl ist ein „internes Informationssystem“, dem man vertrauen kann.

 

Denn Gefühle haben immer recht. Sie können nicht falsch sein und sie stehen daher jenseits der Bewertung anderer Personen - Gefühle zeigen die aktuell und individuell wahrgenommene Bedeutung einer Handlung an. Daher zeigen Gefühle auch wichtige Themen an: Angst kann ein Indikator für drohenden Verlust der Sicherheit sein, Wut kann auf eine persönliche Verletzung hinweisen.

 

Doch werden Gefühle oft mit einer Tarnkappe versehen. Dann kann es z.B. sein, dass Angst als Wächter von Regeln erscheint oder Wut als Ironie oder Sarkasmus.

 

Dieser Umstand macht es manchmal schwer, im Gespräch vertrauenswürdig miteinander umzugehen. Dann, wenn das „eigentliche“ Gefühl verdeckt wird und ein „Irgendwie-komisch-Gefühl“ sich ausbreitet, das authentische Handlungen absorbiert. Wenn der Gesprächspartner durch Tarnkappen kommuniziert und kein zuverlässiges „äußeres Informationssystem“ mehr ist oder das innere Informationssystem

durch Überlastung auf „Error“ springt und ebenfalls zu Ablenkungsstrategien übergehen muss.

 

Dann bekommt der Begriff Gefühlschaos eine erweiterte Bedeutung: Die Konfusion von echten Gefühlen und unechten Handlungen kann einen inneren Aufstand bewirken, der jedes Gleich-Maß verliert und einen äußeren Tumult anstößt. Und doch und auch gerade dann gilt:

 

Gefühle sind Initiatoren für aufrichtige Reaktionen weil sie von innen kommen.

 

So heftig sie auch sind, so destruktiv sie scheinen, so verletzend sie auch ankommen.

 

Es sind Botschafter für wichtige innere Themen, die oft ihre Handlungsvollmacht an eine äußere Realität abgegeben müssen. Zwischen diesen Wirklichkeiten zu vermitteln, ist die schwierige Aufgabe innerer und zwischenmenschlicher Kommunikation.

 

Wie ermächtigen Sie Ihre Botschafter im Gespräch? 

Herzlich willkommen!

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