Zwischenmenschliche Störungen

"Kein Anschluss unter dieser Nummer" - Wenn Sie am Telefon diese Ansage hören kann das mehrere Ursachen haben:

  1. Sie haben sich vertippt und die Nummer gibt es nicht.
  2. Die Nummer ist garantiert richtig.
  3. Es kann sein, dass eine Störung vorliegt und Sie müssten prüfen, ob es bei einer anderen Nummer klappt. Wenn das geht, dann ist wahrscheinlich, dass der Anschluss beim Anzurufenden gestört ist. Erreicht man ihn anders, um ihm Bescheid zu geben?

Technisch also völlig klar - Und wie ist es mit der zwischenmenschlichen Störung?

 

Was kann der Grund für „keinen Anschluss“ sein?

Wie geht es Ihnen, wenn der Kollege nicht auf Ihre Mails reagiert? Wenn die Kollegin, die Sie um etwas gebeten haben auf Nachfrage reagiert mit: „Oh, habe ich vergessen“, oder „keine Zeit gehabt“, oder Ihr Mitarbeiter Ihre Anweisungen einfach ignoriert; und das nicht einmal sondern häufiger?

Was könnte man tun, wenn der andere einfach nicht zu erreichen ist? Wenn auf eine konkrete Frage, Auftrag oder Bitte – keine oder keine deutliche Reaktion erfolgt? In die Telefonsprechmuschel werden dann „Testwörter“ gerufen, wie z.B. „Hallo?“, „Haaaaaallo!?“ „Also, ich hör Sie nicht… hören Sie mich?“ Bis hin zum: "Dann leg ich jetzt auf… und versuche es später nochmal“. Doch dies ist technisch eher seltener der Fall.

 

Der Umgang mit zwischenmenschlichen Störungen ist dagegen unser aller „Alltagsgeschäft“.

 

Es gibt keine durchgängige Kommunikation ohne Missverständnisse. Und es ist eine tagtäglich große Leistung des Menschen, aus oftmals Bruchstücken von Informationen, die nicht ausgesprochenen, zu einem verständnisvollen Ganzen zusammenzusetzten oder aus einem Zuviel an Informationen die relevanten herauszuziehen. Es sind kommunikative Reparaturmaßnahmen, die geleistet werden. Sonderfälle sind ein zu ausgedehntes oder wiederholtes „kein Anschluss unter dieser Nummer“.

Denn diese Kommunikationsart erzeugt ein zu großes Informationsvakuum, als dass dieses kompensiert werden könnte, ohne dass die eigene Realitätskonstruktion Vorherrschaft nehmen würde und die Lücken der Kommunikation nicht doch mit Erinnerungen an ebenso subjektiv verklärte Begebenheiten ausgefüllt werden.

Ein großes Kommunikationsvakuum bewirkt, dass die Informationslücken so umfangreich werden, dass diese nicht durch das Bestreben, nach der Suche nach „Mitgemeintem“, durch eine „Reparaturmaßnahmen“ vorurteilsfrei ergänzet werden können.

 

Der Fantasie sind Tür und Tor geöffnet.

 

Die angeschriebene oder angesprochene Person reagiert eben nicht oder nur auf das für sie selbst Vorteilhafte. Oder ausweichend: „Das habe ich so nicht gemeint“. „Nein, es ist nichts“. „Ist jetzt auch egal“. „Mach ich bis xy bestimmt fertig“. Das „Warum“ dabei zu ergründen ist müßig. Doch wenn ausweichende Begründungen oder „Funkstille“ auf eine persönliche Ansprache immer wieder auftreten ist es ein aggressiver Akt – nur eben auf eine passive Art und Weise. Die Person, die sich nicht erreichen lässt ist mit ihrem Rückzug angreifend und zeigt ihren Frust indirekt. Konfrontationen werden im Team oder mit der Führungskraft vermieden – zumindest direkte: Oft sollen "wenigstens" die Kollegen wissen, dass er/sie anderer Meinung ist und beschweren sich geschickt über denjenigen, den es eigentlich betrifft. Sie lässt ihren Frust hinterrücks los und meidet direkte Auseinandersetzung.

Damit vertuschen Personen ihren Ärger, manipulieren andere und haben „gute Gründe“, demjenigen, den es betrifft es nicht persönlich sagen zu können oder eine Sache nicht auszuführen. Bewusst oder unbewusst.

 

Diese Art von „kein Anschluss“ kann für alle Beteiligten zermürbend sein, denn was sich technisch ausschließt ist menschlich integriert: Wodurch die „Störung“ ursprünglich ausgelöst wurde, entzieht sich der Klärung. Es ist das Prinzip der „Interpunktion der Ereignisfolgen“, das besagt, dass der Auslöser eines zwischenmenschlichen Konfliktes objektiv nicht zu klären ist.

 

Daher können persönliche und sachliche Gegebenheiten am besten im „Hier-und-Jetzt“ geklärt werden.

 

Dann können Wechselwirkungen direkt angesprochen und konkrete Schritte eingefordert werden: „Ich habe xy gefragt…, oder: „Du hast xy zugesagt…“, oder: „Wir hatte abgesprochen, dass du den xy Auftrag bis zum… erledigen kannst“ …“- du sagt gerade wieder "ja, mache ich" …wie verbindlich ist es?“ -…bis wann kannst du das, in welcher Form, erledigen?“

 

Die Reaktion sollte dann Grundlage für eine Lösungsfindung sein, an der beide Seiten beteiligt sind. Eine Nichtreaktion ist nicht erwachsen – doch Erwachsenenverhalten von einem eben solchen verlangen zu können ist wesentlich, denn es mindert das Kommunikationsvakuum. Das schließt Verständnis für „kindliche Reaktionen“ nicht aus, denn wahrscheinlich gab es damals gute Gründe, passiv, sich entziehend, zu reagieren. Dies kann verstanden werden und der Erwachsene kann für sein Handeln in Verantwortung genommen werden, oder die Beendigung des Kontaktes klar kommuniziert werden.

 

Oder, wie schreibt ein großes Telekommunikationsunternehmen: „Liegt eine Störung vor, können Sie auch andere Dienste ausprobieren, um die gewünschte Person zu erreichen“.

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