„Der will mich einfach nicht verstehen!“

„Mit dem kann ich einfach kein vernünftiges Gespräch führen. Der macht mich sofort wütend.“ Oder: „Wenn meine Kollegin ins Büro kommt, dann spüre ich sofort eine innere Anspannung und der Konflikt ist vorprogrammiert.“ ... ... 

Im Gespräch mit Anderen weiß man manchmal nicht mehr was gerade passiert ist. Das Missverständnis, oder der Ärger ist da und die Frage steht im Raum:

 

Was läuft jetzt eigentlich verkehrt? Und konstruktive Lösungen scheinen nicht in Sicht, die „Fronten“ verhärten sich immer mehr.  

Doch leider führt die Formel „Wenn (...) - dann (...)“ nur bedingt weiter. Zu vielfältig sind die möglichen Variablen. Nachhaltiger hilfreich ist es, sich zunächst vor Augen zu halten, was grundlegend für Kommunikationsprozesse ist:

 

Jeder Mensch ist seine eigene Welt.

 

Zum einen entstanden aus der Vielzahl der (Sozialisations-) Erfahrungen, die wir im Laufe unserer Biografie machen. Zum anderen bedingt durch eine Kraft im Menschen, die als „Selbstaktualisierungstendenz“ (Carl Rogers) beschrieben wird. Sie lässt uns zu Individuen werden und uns die Welt so wahrnehmen, wie wir sie wahrnehmen. Dadurch bedingt, gibt es oftmals keine durchweg problemfreie Kommunikation. Denn jeder Mensch hat nicht nur einen anderen Gesprächsstil, sondern auch eine andere Wirklichkeitserfahrung und damit anderes "Wichtiges" und Wertvolles, was im Miteinander deutlich wird.

 

Jedoch: oft glauben wir, dass das, was wir wahrnehmen und hören, die einzige Realität ist; es gibt aber viele Realitäten, so viele unterschiedliche, wie es Menschen auf der Welt gibt. oft sagen wir etwas anderes als wir meinen, meinen etwas anderes als wir sagen und unser Gesprächspartner hört wieder etwas anderes aus dem Gesagten heraus, „was wir so schon gar nicht gemeint haben“.

 

Was dann geschieht, geschieht auf der Grundlage von Ursache und Wirkung. Denn, das Verhalten und das Gesagte, wirken auf den Gesprächspartner und dies hat wiederum Rückwirkung auf den Anderen. Und es setzt sich eine (subjektive) Wahrnehmungsspirale in Gang. Am Ende wird davon ausgegangen, auf „objektiven“ Grundlagen, die einzig richtigen Schlüsse aus dem Beobachteten und dem Gehörten gezogen zu haben. Mit allen Konsequenzen in Bezug auf weitere Verhaltensweisen und Aussagen. Die Problematik, die daraus entstehen kann, ist bekannt: Meinungsverschiedenheiten, Unsicherheiten, Spannungen, Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen.

 

Ist es möglich, diese Wechselwirkungen aufzulösen? Sich vor Verständnisfallen zu schützen? Von seiner subjektiven Weltanschauung - und

insbesondere von deren Konsequenzen auf Kommunikationsprozesse - zu lösen? Und wenn „ja“, wie?

 

Die Antwort ist ja und nein. Denn die Beantwortung dieser Fragen setzt die Bereitschaft voraus, dass wir uns auch auf ein Hinterfragen der eigenen Weltanschauung einlassen, der Bewertungen die wir aus unserer Perspektive vornehmen. Denn nur, wenn wir uns mit unserem eigenen Weltbild und den damit verbundenen Werten, dem was für uns wertvoll ist, auseinandersetzen, ist es auch möglich Kommunikationsmuster zu erkennen; solche, die weiter führend sind und solche die Konfliktpotential beinhalten.

 

„Die Wahrheit wird nicht von uns entdeckt, sondern von uns erschaffen“ (P. Watzlawick).

 

Die eigene Wahrheit zu überprüfen, ist daher die Grundlage für konstruktive Gespräche. Damit ist der Nährboden bereitet, auf dem sich die Frage beantworten lässt, wie es möglich ist, förderliche Gespräche zu führen. Gespräche, in denen ein Verstehen wollen der anderen Welt zur Grundlage einer wert-schätzenden Kommunikation genommen wird. Gespräche, in denen ein Austausch darüber möglich ist, was dem Einzelnen wichtig ist, ohne über „richtig“ oder „falsch“ zu (ver-)urteilen.

 

Alltagsgespräche sollten Aller-Welts-Gespräche sein.

 

Mit dem Ziel, die Unterschiedlichkeit die jeder mit sich trägt, konstruktiv zu nutzen und den Gegenüber als Individuum anzuerkennen –unabhängig der verschiedenen Bewertungen, die aus der eigenen Perspektive „richtig“ oder „falsch“ sind.

 

Dazu ist es hilfreich, eine Innenschau vorzunehmen, mit der das eigene Wertvolle aufgespürt werden kann. Das, was es zu verteidigen gilt, was Sie zur Verfechterin in eigener Sache werden lässt und „innere Anspannung“ und Konflikte provoziert.

 

Diese Kenntnis darüber ist ein erster Schritt, der Sie etwas gelassener ins „Büro“ gehen lassen kann. 

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