Wie meinst du das?

 

Das Jahr hat gerade begonnen, die Antwort auf die Frage „Was hast du dir vorgenommen?“ ist schon zu alt oder zu umfassend, um noch wirklich engagiert umgesetzt zu werden und der bestehende Highscore der ToDo-Liste wird schon zu Jahresbeginn getoppt.

 

„Das fängt ja gut an“, ist in diesem Fall dann ironisch gemeint und soll das Gegenteil aussagen.

 

Ironie wird nicht nur als Vorgang definiert, mit dem jemand auf eine indirekte Weise Spott zum Ausdruck bringt, indem er das Gegenteil dessen sagt, was er meint, sondern auch als „geheuchelte Unwissenheit“: wir wissen gerade nicht wie´s weitergeht, befürchten aber Schlimmes. 

"Etwas" humorvoll, ironisch auszusprechen kann entlasten. 

 

Denn mit Ironie kann „das Ganze“ leichter werden: etwas Unangenehmes wird mit „spitzem Humor“ bearbeitet und darüber gelacht, obwohl vielleicht eher zum Schreien zumute ist. Es scheint dann wie eine Flucht vor dem Ungewissen, als Schutz vor dem Unangenehmen das (noch) nicht greifbar ist.

 

Eine andere Erklärung ist die von Anselm Voigt, dass „Ironie die Lust an der Distanz zu Dingen“ ist, „deren Nähe Unlust erzeugt“: etwas oder jemand wird auf Abstand gehalten und so das Bearbeiten erschwert – das oder derjenige, kommt nicht auf die ToDo-Liste. Zu anstrengend, zu mühevoll, zumindest für den Moment. Und das kann für aktuelle wie für alte Themen gelten.

 

Doch mit zu häufig demonstrierter Ironie riskieren Menschen auch, dass ihre Aussagen - dass sie selbst - nicht mehr verstanden werden. Dass die eigenen Emotionen, die eigenen relevanten Inhalte, ggf. sogar, durch das ironische "Mitgehen", ungewollt entwertet werden. Denn damit Ironie verstanden werden kann, reicht es nicht, dass der Gegenüber die grammatikalischen Regeln kennt; die Bedeutung muss erkannt werden und auf diese Bedeutung muss eingegangen werden können und dürfen.

 

Das geht nur mit dem Erfassen-können dessen, was zwischen den Worten gesagt werden will. Doch wenn Menschen häufig außerhalb jeder Deutungsmöglichkeit – letztlich mit einer schauspielerischen Höchstleistung – von gefährlichen, lustigen, erschreckenden… Ereignissen verharmlosend, ärgerlich, beruhigend… erzählen, dann kann Kommunikation verworren und anstrengend werden.

 

Dann kann eine paradoxe Situation entstehen: Worauf kann, soll der Gesprächspartner eingehen?  Auf die sachlich übermittelte Auskunft oder die emotionale Botschaft, die erkennbar vermittelt wird oder auf das was subtil vermittelt wird? Doch wofür Sie sich auch entscheiden: Den Joker hat der andere.

 

Denn wenn dieser sich während des nachfolgenden Gespräches immer wieder neu entscheidet, welches sein Thema ist - das Gemeinte oder das Gegenteil  kann ungewollte Distanz entstehen. Und im Zweifel bekommt der Gesprächspartner den "Schwarzen Peter", weil er nicht verstanden hat. Das Spiel ist eröffnet.

 

Die Frage ist also nicht wie – sondern ob Sie ironisch mitspielen und auf Distanz bleiben wollen. Oder ob Sie ein Angebot machen wollen, mit dem echter Kontakt hergestellt werden kann: zum unangenehmen Thema und/oder zum Gesprächspartner. 

 

Ironie kann die Würze eines Gesprächs sein - doch ein Überwürzen ist ungesund und schmeckt den wenigsten Menschen.   

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