Guter Rat? Oder: Wann ist Rat gut?

Einen „Rat geben“ gehört für viele Menschen zur alltäglichen Kommunikation – und wird doch manchmal als frustrierend erlebt. Z.B. dann, wenn der „gute Rat“ nicht angenommen wurde. Denn es scheint trivial: Einem Menschen der ein Problem hat wird unterstellt, dass er einen Rat sucht – was allerdings nicht unbedingt voraussetzt, dass die Person explizit um Rat gefragt hat.

 

Jemand kann zwar ein Problem haben, aber keinen Rat wollen; hingegen einen „Rat wollen“ voraussetzt, dass ein Problem vorhanden ist. Und das hat häufig zur Konsequenz, dass „automatisch“ ein Rat gegeben wird, wenn ein Problem gehört wird, obwohl keiner gewünscht ist - und damit beginnt das Kommunikationsproblem.

Dieses Missverhältnis zwischen Verstandenem und Gemeintem kann sich zuspitzen, wenn der (vermeintlich) Ratsuchende Ihren Rat als nicht annehmbar, falsch oder zumindest nutzlos für den Moment abwertet oder aber sich beschwert, dass Sie nicht unterstützen wollen, obwohl nicht explizit nach einem Rat gefragt wurde. Verwirrung, die Energie kostet und keine konstruktiven Veränderung bewirkt.

 

Daher kommen Tipps (oder Ratschläge?) zum Thema an dieser Stelle und Sie können entscheiden, ob Sie sie lesen möchten ;)

 

1. Geben Sie nur auf explizite Nachfrage Rat.

Hat Ihr Gesprächspartner Sie wirklich um Rat gefragt? Oder hat er Ihnen nur das Problem geschildert? Diese (innerliche) Frage überprüft,

dass Sie keinen, als vielleicht übergriffige Besserwisserei empfundenen, „gut gemeinten Rat“ geben. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Rat gewünscht ist sollten Sie nachfragen, ob die Person Ihre Meinung, Tipps, Handlungsoption, … wirklich hören will?!

 

2. Überprüfen Sie, was die Person schon getan hat, um ihr Problem zu lösen.

Häufig werden Ratschläge gegeben, die der Angesprochene schon ausprobiert hat; und dann, irgendwann reagiert  dieser mit: „Ja, habe ich schon versucht…. „. Daher: Fragen Sie zunächst, was bisher schon unternommen wurde. Das schont Ihren Einsatz und hilft beim Finden von Alternativen, da die bisherigen nochmal bewusst gemacht werden.

 

3. Beobachten Sie die Reaktion auf Ihren Rat.

Sie machen sich viele Gedanken wie Sie der Person weiterhelfen könnten? Ihre Vorschläge werden jedoch kaum oder nicht angenommen? Achten Sie darauf, wie und ob Ihre Ratschläge ankommen. Ein häufiges - offensichtliches oder verstecktes - „Ja, aber…“ ist ein schwarzes Loch für Ihre Energie und dann sollte das geklärt werden.

 

4. Geben Sie die Verantwortung ab.

Die Person dreht sich mit ihrem Problem im Kreis und es scheint keine Lösung zu geben? Geben Sie die Verantwortung zur Lösungsfindung

ab! Denn diese liegt letztendlich bei der Person die das Problem hat. Ganz einfach.

 

5. Respektvoll die Misere würdigen.

Wenn Sie den Eindruck gewinnen, dass die Person ein nicht lösbares Problem hat, erkennen Sie es als nicht lösbar an – unabhängig ob Sie das für lösbar halten; geben Sie keinerlei Ratschläge mehr – schon gar nicht ungefragt. Wenn möglich sprechen Sie an, dass sich das Thema im Kreis dreht und das es wohl keine Lösung dafür gibt. Oder fragen Sie doch die Person mal, was aus deren Sicht einen guten Rat ausmachen würde.

 

Wann ist also "Rat gut“?

Zum Beispiel dann, wenn er mit Engagement angenommen wird. Achten Sie also auf eine motivierte Reaktion, oder sparen Sie sich Ihre Gedanken, ums Problem der anderen Person und reden Sie über inspirierende Themen.

 

Ihnen fällt es schwer, ohne Ratschläge ins Gespräch gehen? Was wäre wohl ein guter Rat für Sie?

Herzlich willkommen!

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"GesprächsArt" ist der Blog der Dt. Akademie für Coaching und Beratung.

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