Ist es nicht schrecklich?

„Haben Sie schon gehört, dass….?“ „Wir haben ja alles getan, aber die verstehen ja nicht, worum es wirklich geht!" „Kein Wunder, dass das passiert ist – die sehen einfach nicht richtig hin….“  

Die Beispiele ließen sich fortsetzen: Variationen, mit der impliziten Aussage einer gefühlten Ungerechtigkeit oder einer ungesehenen Überlegenheit.

 

In einer neuen Gemeinschaft kann diese Gesprächsvariation eine anfängliche Möglichkeit sein, mit einem Menschen ins Gespräch zu kommen: Sich über „die Anderen“ auszulassen, kann Verbündete schaffen, lässt Gleichgesinnte ahnen. Im vertrauten Kreis kann es auch entlastend wirken, da der angestaute Ärger über „die“, ein Ventil findet, es kann Erleichterung bewirken, zu wissen, dass man nicht alleine leidet. 

Die Zuhörer oder Mitstreiter leisten emotionalen Bestand und sind ähnlich durch die Vorkommnisse betroffen.

Es muss nicht „immer alles super“ sein!

Wie gut ist es, dass es andere gibt, die mit-erkennen in welchem Schlamassel man sich befindet, von welcher Ungerechtigkeit man betroffen ist oder wie man doch im Recht ist - als Einzelner, als Gruppe, als Team - nur keiner der "Verantwortlichen" sieht´s.

 

Und trotz der temporären Erleichterung können ungute Gefühle – wie Ärger und Enttäuschung – bleiben.

 

Man hat sich über den „unmöglichen Arbeitsstil“ des Kollegen in der Runde einvernehmlich ausgelassen – und was bleibt ist oft ein unbestimmbares, unangenehmes Gefühl. Man ist sich einig, dass das Verfahren so - und zwar genauso - richtig ist und dass alle Abweichungen abgewiegelt werden müssen - und dadurch werden Gräben geöffnet wo Brücken gebaut werden müssten.

 

Besonders zermürbend kann der Verlauf solcher Gespräche sein, wenn viel Energie vom anderen investiert wurde und wird, um die eigenen - einzig richtigen - Überzeugungen zu vermitteln und doch eine Änderung nicht herbeigeführt werden kann. Manchmal sind es ganze Teams oder Organisationen, die ein Vorgehen, eine spezielle Auffassung, mit Beharrlichkeit über lange Zeit verfolgen und auf kritisch-konstruktive Erweiterungen mit Unverständnis reagieren: „Was man uns da wieder antut, die verstehen nicht….“ Alle Macht scheint bei den „Anderen da oben“ zu liegen und Kritiker sind Deserteure die aus dem "inneren Kreis" verbannt werden müssen. Die Gruppe ignoriert den Freund, das Team meidet die Kollegin. Das Unausweichliche der Anpassung und der Veränderung wird draußen gehalten. Das Pferd ist mindestens sehr lahm, aber es soll weiter ins Rennen gehen.

 

Es scheint mehr um den Kampf zu gehen als um die Sache.

 

Ärgerlich auf etwas oder jemanden zu sein, ist menschlich – doch wenn die Gedanken an den „Feind“ die Tage und Gespräche füllen, wenn Personen und Gruppen sich in ihrer Gedankenwelt "einigeln", dann steht die Frage nach dem dahinter liegenden Sinn im Raum und die Frage nach der Verantwortung für die Initiierung der Veränderung.

 

Und dann ist die Person oder sind die Personen irgendwann nur noch schwer auszuhalten? - Wenn Ihnen dann mal das „Lamentieren über…“ zu viel wird und wieder alle Entlastungsmöglichkeiten abgewiegelt werden, kann gefragt werden:

 

Wozu ist es gut, das unausweichliche Veränderungen oder notwendige Gegebenheiten bekämpft werden?

 

Wieso fällt es so schwer loszulassen? Gibt es wirklich nur „entweder – oder“? Nur "ganz oder gar nicht"? Nur „die oder wir“? Sind die Anderen wirklich für die eigene Misere verantwortlich? Was bleibt, wenn der oder die „Gegner“ sich über Nacht auflösen würden? Wozu würde die Kraft dann genutzt werden?

 

Sie möchten sich in Alltagsgesprächen nicht auf eine ggf. mühselige Auseinandersetzung und Klärung der Motive einlassen?

 

Dann wechseln Sie einfach das Thema oder hören nicht mehr zu. Oder verdammen Sie „die Anderen“ noch ein bisschen stärker, als das Ihr Gesprächspartner gerade tut.

 

Doch was auch immer Ihnen mehr liegt: vermeiden Sie es, nur das Problem zu wälzen oder die Gerüchteküche anzuheizen – das könnte schon eine Unterstützung sein.

 

Herzlich willkommen!

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