Loslassen können

Es hat sich was verändert. Erst unmerklich, doch dann immer deutlicher spürbar. Jetzt fühlt es sich nichtmehr gut und richtig an. Es drängt sich immer mehr ein „unstimmiges Gefühl“ in den Vordergrund – es lässt sich nichtmehr verleugnen: eigentlich müsste ich mich trennen. Vom Unternehmen, vom Partner, von einer Freundin und manchmal auch nur von der nicht mehr passenden Wohnung. 

 

Loslassen – das kann sich unbeschwert und frei anhören; oder auch Angst machen.

 

Loslassen können – der Prozess hat erstmal zwei Seiten: eine rationale und eine emotionale. Die rationale Seite ist häufig eher klar: das, was die Beziehung zu etwas, ihm oder ihr ausgemacht hat, stimmt nicht mehr. „Eigentlich müsste ich gehen“.

 

Und dann werden häufig Pro- und Contra-Listen entworfen: was ist gut, was ist schlecht? Was fehlt, was ist da? Doch meist ist es so: auch wenn die „Pro-gehen-Auflistungen“ überwiegen, können Menschen häufig nicht loslassen. Ach ja, da sind dann noch die Prioritäten, die vielleicht mehr beachtet werden sollten, als die Anzahl der Bewertungen in einem Feld – und eine neue Liste wird erstellt.   

 

Fragen werden gestellt, die nach Gründen suchen: Warum will ich gehen? Was fehlt mir? Was habe ich? Was ist mir am wichtigsten? Und wenn auch die Frage nach den Alternativen nicht ergiebig ist - ist auch die Suche nach: „das eine, das andere, oder ganz was Neues“ nicht weiterführend - wenn das auch nicht bei der Entscheidung hilft, dann ist es wieder ein Vorgehen gewesen, dass in die Sackgasse geführt hat. Und wenn auch die Metafrage: Welche Überschneidungspunkte gibt es bei allem? nur neue Erkenntnis schafft doch keine Veränderungsaktion initiiert, dann kann die Mutlosigkeit verstärkt werden. Denn es will sich keine Entscheidung finden lassen: Die Kognition wird gefüttert und die Emotion verhungert derweil immer mehr. Die inneren Zeichen stehen noch nicht klar auf „Neu-Start“ und was bleibt ist das Bleiben. 

 

Denn Bleiben-Gründe gibt es unterschiedliche:

  • Die Sehnsucht nach alten Zeiten, inklusive der nicht versiegen wollenden Hoffnung, dass es wieder so wird wie es war, oder sogar endlich besser.
  • Die Kosten-Nutzen-Rechnung: Hohe emotionale, körperliche, geistige, finanzielle Investitionen sind bis hierhin eingesetzt worden und der Verlust scheint zu hoch.
  • Das Selbstwertgefühl ist zu gering, um eigene, angemessene Ansprüche zu stellen: Die Wünsche und Bedürfnisse erscheinen nicht begründbar; „man sollte doch zufrieden sein“.
  • Die Anstrengungen für den Neuanfang sind zu groß - scheinen größer, als das Bleiben auszuhalten.
  • Das Ziel und der Weg in eine neue Zukunft sind nicht klar: Wohin soll es - wie - gehen?

Die Liste ließe sich sicher erweitern und individuell noch differenzieren.

 

Loslassen - - -. Das heißt auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben und die Zukunft selbstbestimmt und emotionsgerecht zu gestalten. Doch besteht die Frage bei all diesen Fragen, was das Wichtige hinter dem Wichtigem ist:   

 

Welche Bedeutung hat es, er oder sie? Welchen Sinn hat es zu bleiben? Oder: Welche Bedürfnisse werden nicht erfüllt?

 

Doch wie auch immer die Antwort lauten mag: wer gehen will, aber nicht gehen kann, hat Angst.

 

Angst, einen Fehler zu machen, vor dem Neuen, dem Unbekannten, dem Risiko „alles“ zu verlieren, alleine zu sein, finanzielle Einbußen zu haben, und andere Gründe, die in der Folge mutlos machen können, es doch noch zu schaffen. Man ergibt sich (der Situation und gibt sich auf). Angst ist eine elementare Emotion und zeigt Bedrohung an. Und die „natürliche“ Reaktion darauf ist: Flucht – gehen! - oder Kampf! – andauernde Streitigkeiten; oder Starre. Das Nicht-Gehen können.

 

Wofür ist die Angst auch gut? Kurz: Sie sorgt für die Erhaltung der eigenen Unversehrtheit. Denn es gibt Gründe, die der Verstand nicht kennt, die in der alten Situation festhalten.

 

Daher sollten die Fragen, die das Loslassen-können klären sollen, besonders den emotionale Anliegen nachgehen, wie zum Beispiel:

  • Wird das Sicherheitsbedürfnis (Schutz, (materielle) Versorgung) beeinträchtigt?
  • Welche wichtigen sozialen Kontakte werden beendet? Chance auf neue, äquivalente?
  • (Wie) Können ideelle Bedürfnisse (subjektive, individuelle Werte) gesichert werden?
  • Wie stark ist das Verlangen sich weiter zu entwickeln? Kreativ/produktiv und authentisch zu handeln?

Sicherheit, soziale Kontakte, persönliche Werte, Selbstentwicklung - - - Was brauche ich? Was fehlt?

Wird in der aktuellen Situation z.B. nur das erste dieser Auflistung bedient, aber alles andere ist im Mangelzustand? Bis zu welchem Grad würde ich auf "Was" verzichten können, um andere, vielleicht bisher verschüttete Bedürfnisse erfüllen zu können?

 

Menschen, denen das Loslassen schwerfällt, sich aber in der aktuellen Situation immer weniger wohlfühlen, müssten sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Sich fragen, wie es kommt, dass das Eine so mächtigen Einfluss hat, dass anderes Wichtiges nicht mehr Raum einnehmen darf.

 

Und manchmal kann man sich die Antworten darauf nicht alleine geben.

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