Der Wert der Erfahrungen

 

Dieser Artikel erzählt vom Wert der Erfahrungen, die jeder Mensch, in jeder Lebenssituation machen kann und gemacht hat. Im Privaten, im Beruflichen, einfach in jeder beliebigen Situation, mit wem auch immer. 

 

Denn viele dieser Erfahrungen, die wir gemacht haben sitzen so tief und waren so prägend, dass sie kaum vergessen werden können und doch nicht immer bewusst sind – gute und schlechte. Denn diese situationsabhängigen Erfahrungen erzeugten gleichzeitig und ohne unser bewusstes Hinzutun ein Gefühl: Sorge, Freude, Ärger, Verwunderung, Abscheu, usw..  

Solche individuellen Erfahrungen hat jeder Mensch gemacht. Später reicht dann ein neuer, kleiner Anstoß, um das abgespeicherte, alte Gefühl zu aktivieren, obwohl die neue Situation doch anders, nur etwas ähnlich, nicht gleich ist. Daher können andere Personen, das Gefühl, das eine Situation bei einem anderen Menschen auslöst, manchmal nicht nachvollziehen. Was einerseits ja verständlich ist. Denn eine andere Person hat diese Erfahrung in derart nicht gemacht und das, was dann gerade geschieht, löst daher auch andere Gefühle aus. Daher ist es auch nachvollziehbar, wenn z.B. Herr Groote zu Frau Stein sagt:

 

„Ach, machen Sie sich keine Sorgen!“; „Nein, da passiert schon nichts.“ Oder auch: „Was du immer hast."; „Ich finde so geht das nicht."

 

Und dann? Wenn es dann "normal" verlaufen ist? Die Befürchtung nicht eingetreten ist? Ist Frau Stein dann erleichtert. Ja, vielleicht - und doch kann das alte Gefühl noch weiter nagen. Und es kann durch diese Erfahrung noch ein Gefühl hinzu kommen:

 

Das Gefühl des Ärgers oder auch der Beschämung.

 

Ärger auf Herrn Groote, da er etwas Eigenes abgewertet hat. Scham, da das eigene Gefühl nicht der aktuellen Norm, den aktuellen Erwartungen entsprach. Und vielleicht ist es immer Herr Groote, der die Erfahrungen von Frau Stein und auch anderer Personen, wegwischt. Der sagt, dass es "so nicht geht", "schon nichts passiert", "man sich zusammenreißen muss". Der nicht die Gedanken und Emotionen anderer hören will. Was bei der anderen Person dann bleibt, ist das Gefühl nicht ernst genommen zu werden.

 

Die eigenen Erfahrungen werden bagatellisieren.

 

In unserem Beispiel ist die Konsequenz, dass die Beziehung zu Frau Stein leidet: Sie fühlt sich missachtet. Denn wenn die eigenen Erfahrungen abgewertet werden, fühlen Menschen sich nicht ernst genommen und die zwischenmenschliche Beziehung verliert an Vertrauen. Die Frage ist also, was - momentan oder generell - wichtiger scheint: Auf der eigenen Meinung zu bestehen und die eigenen Handlungsoptionen durchzusetzen oder die Beziehung zu festigen?

 

Wie kann mit Erfahrungswerten anderer Personen umgegangen werden, die im Moment nicht konstruktiv sind?

 

Eine mögliche Umgangsweise ist es, zunächst die alte Erfahrung, als individuelle, alte und gültige Erfahrung anzuerkennen: Da machen Sie sich Sorgen, ... wundern sich darüber, ... ärgern sich.... Und zunächst diese Stimmung verstehen zu wollen und als eine Stimmung dieser Person anzuerkennen. Denn dann erst wird Frau Stein offen sein für Denk- oder Handlungsalternativen, die Herr Groote ihr vorschlägt.

Vielleicht macht sich Herr Groote aber auch selbst Sorgen oder hat Angst – vielleicht vor dem Gefühl von Frau Stein? Was, wenn sie zu weinen beginnt? Oder „anders emotional“ wird? Welche Erfahrungen hat Herr Groote (mit Frau Stein) gemacht? Welches Gefühl lässt ihn einen Einwand (zu) schnell wegwischen und damit (immer wieder) die Beziehung schädigen?

 

Unsere Erfahrungen, mit ihren zugehörigen Gefühlen, sind unser Autopilot im Leben. Und er kann während der Fahrt nicht einfach umprogrammiert werden. Wenn Herr Groote und Frau Stein also anders fühlen wollen, um etwas anders machen zu können, dann müssten sie an den Straßenrand fahren und zunächst ihr Navi verstehen und aktualisieren ;)  Teamkonflikte können so gelöst werden :)