Carl Rogers & der Personzentrierte Ansatz

Personzentriert, Carl Rogers, Coaching, humanistisch

 

Warum heißt es eigentlich die

Person-zentrierte Theorie - und nicht die Personen-zentrierte?

Lesereihe Nr.9: Die Person - Einzahl

Wertschätzung, Empathie und Kongruenz sind die Beziehungsaxiome der Personzentrierten Theorie

Sie implizieren die Annahme, dass bei „Anwendung“ dieser drei „Basisvariablen“ „personzentriert gearbeitet“ wird. Doch sind diese Begriffe nur ein verkürtzer Teil, einer tiefgreifenden Persönlichkeits- und Beziehungstheorie, die der amerikanische Psychologe Carl Ransom Rogers (1902-1987) ab den 40ger Jahren, bis zu seinem Tod entwickelt, erweitert hat. Die Wirksamkeit seiner Theorie wurde in vielen Studien bestätigt.

 

Rogers Personzentrierte Theorie (ehemals: Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie) ist deshalb so besonders wertvoll, da sie übergreifende Gültigkeit besitzt: die "6 Bedingungen" hilfreicher Gesprächsführung sind das Fundament jeglicher zwischenmenschlichen Interaktion. Er beschreibt die zentrale kommunikative Handlungsgrundlage in allen Arbeitsfeldern, in denen Menschen in ihrer Entwicklung unterstützt werden sollen – unabhängig von der „Sache“ um die es geht. Rogers Erkenntnisse sind heute noch die tragende Säule zwischenmenschlicher Beziehungen, in Form einer spezifischen Haltung im Miteinander.



Bedingungen für unterstützende Gespräche

Die professionelle Begleitung von Menschen (wie z.B. in den Arbeitsfeldern Coaching, Beratung und im Gesamt der Mitarbeiterführung) sollte auf sechs „notwendigen und hinreichenden Bedingungen“ aufgebaut werden können, die Rogers für den Psychotherapieprozess aufgestellt hat. Sie gelten heute nachweislich noch für jede förderliche Unterstützung.

 

Denn sie vervollständigen „Technik“ zu jener Haltung, mit der Menschen - mit ihren systemrelevanten Bezügen, auch in schwierigen Situationen - erreicht werden können.

 

Diese sechs Bedingungen sind:    

  1. Verbindung herstellen: In-Kontakt-kommen
  2. Inkongruenz: Es besteht eine innere Unstimmigkeit
  3. Kongruenz: sich in Einklang befinden
  4. Wertschätzung: ohne an Bedingungen gebundene Akzeptanz
  5. Empathie: Die innere Welt des Anderen erfühlen
  6. Resonanz spüren: die Person erreichen

Die Integration dieser Bedingungen sind als „Wirkfaktoren“ zu verstehen, die darüber entscheiden, ob und wie Veränderung und konstruktive Entwicklung unterstützt werden kann; wie "Motivation für etwas", auf der Basis von individuellen Ressourcen im Gespräch, initiiert werden kann.

 

Der Innere Bezugsrahmen

Selbstverständnis eines Menschen wird bestimmt durch die individuelle Wahrnehmung der Realität.

 

Diese Wahrnehmung ist gefiltert durch sehr frühe, biografische Erfahrungen. Dieser, sog. „innere Bezugsrahmen“ (C. Rogers) ist ein komplexes System von Annahmen, Einstellungen, Fantasien, Vorurteilen.

 

Der innere Bezugsrahmen ist damit unsere ursprüngliche Informationsquelle, die Situationen, durch diese Erfahrungen, emotional bewertet, als "gut" oder "schlecht". Diese inneren Muster bestimmen unser Handeln, Denken und Fühlen. 



Carl Rogers´ 6 Bedingungen für eine konstruktive Gesprächsführung

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Zur Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten  sollten zwischenmenschliche ENTFALTUNGSRÄUME zur Verfügung gestellt werden können:   

Bedingungen, unter denen Menschen konstruktiv  „in-sich-schauen“ können, um Zusammenhänge zu entdecken, die für sie relevant sind, sie Selbst-Entwicklungen und -Entfaltung erleben lassen. 

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Eine Inkongruenz besteht dann, wenn es eine innere Diskrepanz zwischen Denken, Handeln und Fühlen gibt. Es ist die Voraussetzung zur Änderungsbereitschaft: Wenn etwas getan wird, was sich nicht "gut und richtig" anfühlt. Dann passen die Erfahrungen, die in einem Augeblick gemacht werden, nicht mit den verinnerlichten Bewertungen zusammen.

3

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„Kongruent sein“ ist das „gute Gefühl“, das sich in Situationen bemerken lässt, wenn sich alles echt oder integriert anfühlt. Wenn das, was gerade gefühlt werden kann und das Denken und Handeln, in einem bestimmten Augenblick, übereinstimmen.  

Dieser Übereinstimmung nachzugehen bedeutet dem individuell Wichtigen auf die Spur zu kommen. 


4

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Wertschätzung im humanisitschen Verständnis, heißt, die Person - ihr Wesen - zu achten und nicht nur ihr Tun, ihre Handlungen in den Vordergrund zu heben und als "positiv" wertzuschätzen. Es bedeutet, eine Person zu schätzen, ungeachtet der verschiedenen Bewertungen, die man aus der eigenen Perspektive vornehmen kann.Wird Wertschätzung gelebt, fühlen sich Personen angenommen. Sie werden als Mensch nicht in Frage gestellt sondern in ihrem So-Sein akzeptiert. Das erzeugt Sicherheit und ermöglicht Flexibilität.

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Empathisches Verstehen ist einem Übersetzungsangebot „Innenwelt – Außenwelt“ ähnlich.

Es ist die Reaktion auf die Emotion des Anderen.

Es kann dadurch signalisiert werden, indem angesprochen wird, was „zwischen den Zeilen“ ausgesprochen oder bemerkt wurde.

Und es setzt einen Verzicht von Interpretationen, Deutungen, Erklärungen voraus. Empathisches Verstehen ist wichtiger Teil EMOTIONALER INTELLIGENZ und Grundlage der Selbstwahrnehmung

 

6

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Ob das Unterstützungsangebot die Person erreicht hat, lässt sich z.B. mit der Beantwortung der Fragen überprüfen:

Wie viel Motivation wird bei der Person sichtbar, sich für eine Sache einzusetzen oder sich kritisch mit Eigenem auseinanderzusetzen? Wie viel Energie ist zu spüren, eigene konstruktive Lösungen zu finden? Und welche Resonanz aufeinander ist zu spüren?

Resonanz ist ein Indikator, der die Wechselwirkung kommunikativer Systeme anzeigt.

 



Bei der Entwicklung seiner „Theorie der Personzentrierten Psychotherapie“, hat Carl Rogers mit seinem Team verschiedene, miteinander zusammenhängende Konstrukte formuliert. Dies, mit der Absicht, seinen Forschungserkenntnissen eine genaue Bedeutung zu geben; dadurch ist ein genaues Verständnis und Nachvollziehen seiner Hypothesen möglich geworden.

Doch durch die differenzierte theoretische Formulierung sind die Begriffe häufig abstrakt formuliert, doch ihre Bedeutung auch tiefgreifender, als im alltäglichen Sprachgebrauch.

Lesen Sie mehr dazu hier: Carl Rogers Definition seiner Theoriekonstrukte


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Es bedeutet, dass es weniger Techniken und Methoden sind, sondern dass es die "gewisse Art von Beziehung" ist, mit denen die Entwicklung einer Person unterstütz werden kann. Diese Erkenntnisse Rogers werden seit vielen Jahren immer wieder von verschiedenen Richtungen überprüft und immer wieder bestätigt.

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Der Personzentrierten Ansatz befassst sich mit dem "Problem" das eine Person hat - und ist gerade deshalb ressourcen- und lösungsorientiert. Denn erst, wenn auch der Person deutlich wird, was das "Thema hinter dem Thema" ist, kann sie eine für sich passende Lösung finden, die nachhaltig wirkt und authentisch umgesetzt werden kann.



Das Hier-und-Jetzt

Das „Hier-und-Jetzt“ ist ein gegenwärtiger Moment, das unmittelbare Erleben in einem bestimmten Augenblick.

Im Coaching muss dazu die Aufmerksamkeit auf das aktuelle Geschehen gelegt werden – bei sich selbst, beim Gegenüber und auf das, was sich zwischen den Personen ereignet. Das „Hier-und-Jetzt“ zu beachten bedeutet damit auch, die Bereitschaft zum aktuellen Er-Leben wollen: was fühle und denke ich genau in dem Moment, was sage, oder tue ich gerade, ohne gedanklich beim gestern oder morgen zu sein. Es bedeutet:

  • das, was sich zeigt, in Ruhe wahrzunehmen,
  • damit zu verweilen, 
  • es da-sein lassen zu können: wertschätzend, absichtslos, ohne Interpretation und Änderungswunsch – und zu sich sagen zu können: so wie es ist, ist es jetzt. ©(Hellwig, C. (2020) Personzentriert-integrative Gesprächsführung im Coaching. Springer Verlag. S.59ff)

Das personzentriert-integrative Vorgehen konzentriert sich auf die Geschehnisse im Hier-und-Jetzt und ist gleichzeitig ein prozesshaftes Vorgehen, in dem psychodynamische Kräfte, in der Begegnung von Person-zu-Person, wirken:

  1. Das Hier-und-Jetzt: Wie ist das unmittelbare Erleben des Coachees? Welche Gefühle werden ihr gewahr? Stimmen Denk- und Handlungsmuster mit den Emotionen überein? Können Diese schon ins Selbstkonzept integriert werden?
  2. Während das Hier-und-Jetzt ein statischer Moment ist, ist der Prozess der Verlauf: Wohin entwickelt sich der Coachee? Und wie kann das, was gerade deutlich wurde, im Prozess aufgegriffen werden?               ©(Hellwig, C. (2020) Personzentriert-integrative Gesprächsführung im Coaching. Springer Verlag. Kap.4.4.2)

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