Sozialpsychologie & Coaching

In welchem Zusammenhang stehen Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie und das Vorgehen im Coaching?

Erfahren Sie in den Artikeln mehr über den Nutzen.

Kognitive Dissonanz - Was ist das und was bewirkt sie im Alltag?

Vielleicht haben Sie sich schon öfter Gedanken über das eigene Verhalten gemacht, oder ihre Einstellungen bezüglich bestimmter Themen hinterfragt. Und soblad es dann dabei dazu kommt, dass bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen nicht übereinstimmen haben Sie vermutlich, ohne es zu wissen, eine sogenannte Kognitive Dissonanz erlebt.

 

Doch was ist Kognitiven Dissonanz eigentlich und warum entsteht sie?

 

Um die Kognitive Dissonanz zu verstehen ist es zunächst wichtig zu schauen was Kognitionen und Dissonanzen überhaupt sind und wie diese uns in allen Lebensbereichen beeinflussen. Kognitionen umfassen sämtliche mentale Prozesse des Menschen. Darunter zählt die eigene Wahrnehmung, das Gedächtnis, persönliche Einstellungen und Entscheidungsprozesse genauso wie viele weitere mentale Funktionen. 


Dissonanz beziehungsweise Kognitive Dissonanz entsteht sobald, zwei oder mehrere Kognitionen im Konflikt zueinanderstehen und unsere Einstellungen nicht länger mit dem tatsächlichen Verhalten übereinstimmen. Nach Leon Festinger¹  lässt sich die [Kognitive Dissonanz] als ein aversiver motivationaler Zustand beschreiben, der das Individuum dazu motiviert, diesen unangenehmen Zustand abzubauen.

 

Ein reales Beispiel für die Kognitive Dissonanz wäre es, wenn eine Person die Einstellung (Kognition A) hat, dass ihre eigene Gesundheit die höchste Priorität für sie selbst bedeutet. Dennoch macht sie nie Sport und ernährt sich weitgehend ungesund (Kognition B). Diese beiden Kognitionen lassen sich nicht miteinander vereinen ohne das eine der anderen Widerspricht. Es entsteht ein unangenehmer Gefühlszustand.

 

Menschen gewichten Kognitionen unterschiedlich stark, je nachdem wie entscheidend diese für ihre Identität und ihr Leben sind. Je wichtiger eine bestimmte Einstellung für uns ist, umso stärker wirkt auch die Kognitive Dissonanz. Oft entsteht dann das Bedürfnis die Dissonanz zu reduzieren, um unsere Kognitionen wieder in Einklang zu bringen. Um eine erneute Konsistenz der Einstellungen oder des Verhaltens zu erreichen gibt es verschiedene Lösungen, die oft als automatisierter Prozess ablaufen.

 

Wie kann Kognitive Dissonanz reduziert werden?

 

Eine Möglichkeit ist es nach neuen Informationen zu suchen die das Verhalten trotz der gegensätzlichen Einstellung legitimieren „Ich schone mich heute mal und mache keinen Sport, um meinen Körper zu entspannen und trage somit auch zu meiner Gesundheit bei“. Ebenfalls können andere Verhaltensweisen welche, die Kognition unterstützen aufgerufen werden, um das dissonante Verhalten in unserer Auffassung auszubalancieren „Ich lebe aber ansonsten total gesund, denn ich rauche nicht und trinke kaum Alkohol“Kognitiv würden diese Gedanken dann die Dissonanz verringern da ein angeblicher Ausgleich geboten wird. 

 

Außerdem kann eine Person sich auch gezielt dazu entscheiden Informationen, die die Dissonanz verstärken zu ignorieren. Bezogen auf das Beispiel unserer gesundheitsfokusierten „Sportmuffels“ könnten Studien, die eine verringerte Lebenserwartung durch mangelnde sportliche Betätigung zeigen von ihm nicht beachtet werden. Eine weitere Methode, um Kognitive Dissonanz zu verringern ist die Trivialisierung. Hierbei reden wir uns selbst ein das die Inkonsistenz in unseren Kognitionen keine wirkliche Bedeutung hat und somit ignoriert werden kann „ungesunde Ernährung beeinflusst meinen Wunsch so gesund wie möglich zu leben nicht.“  Diese Prozesse zur Reduzierung der Kognitiven Dissonanz geschehen größtenteils unbewusst, was oft darin resultiert, dass wir uns selbst belügen oder unser eigenes Verhalten „schönreden“.

 

Sobald wir uns aktiv mit unseren Einstellungen und Verhaltensweisen auseinandersetzen und uns der Kognitiven Dissonanz bewusst werden können wir die Legitimierungs- und Täuschungsversuche unseres Gehirns umgehen. Langfristig kann dann aus der Kognitiven Dissonanz heraus eine konstruktive Verhaltens- oder Einstellungsänderung entstehen, welche den unangenehmen Gefühlszustand gänzlich beenden. Unser „Sportmuffel“ würde sich dann aktiv mit seinen Kognitionen auseinandersetzten und entweder anfangen sich gesünder zu ernähren und mehr Sport zu treiben oder seine Einstellung zur eigenen Gesundheit so abändern, dass diese nicht mehr die höchste Priorität darstellt. Kognitive Dissonanz kann so gelöst werden.

¹ Festinger, L. (1978), Theorie der kognitiven Dissonanz, Huber (2012)

Und was bedeutet das im Coaching?

Rationale, kognitive Begründungen, Erklärungen, Argumentationen können ein Anzeichen dafür sein, dass bestimmte "bewährte" Verhaltensmuster verteidigt werden. OBWOHL sie für die Person zur Erreichung ihrer eigentlichen Ziele hinderlich sind.


Stereotype und Vorurteile - und ihre Auswirkungen im zwischenmenschlichen Miteinander.

„Männer können besser Autofahren als Frauen“, „Asiaten sind alle Mathegenies“, „Deutsche denken nur an Arbeit“ …

 

Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal dabei ertappt an so eine oder ähnliche Aussagen gedacht zu haben. Stereotype und Vorurteile sind allgegenwärtig und in so gut wie jedem Menschen grundsätzlich vorhanden. Stereotype beschreiben dabei die Generalisiersierungen von einer Gruppe an Menschen, bei welcher allen Mitgliedern dieser Gruppe dieselben Eigenschaften zugeschrieben werden, ohne dabei gegebene Variationen unter den Mitgliedern zu beachten. Stereotype sind oft Teil eines unbewusst kognitiven Prozesses, der dazu dient, unsere Umwelt schneller einzuschätzen. Evolutionär gesehen haben Stereotype daher durchaus Vorteile. Wir sparen Zeit und mentale Energie durch das Verfolgen von altbekannten oder vorgegebenen Verhaltens- und Denkmustern.

Vorurteile hingegen sind Teil einer affektiven Komponente und werden stark von Emotionen beeinflusst. Hierbei wird den stereotypischen Mustern eine Wertung hinzugefügt. Oft entsteht dabei eine feindselige oder negative Einstellung gegenüber Menschen dieser Gruppen, welche in diskriminierenden Handlungen resultieren kann.


Doch wieso entstehen Vorurteile überhaupt? Und – kann man etwas gegen das allgegenwärtige Schubladendenken tun?

 

Vorurteile und Stereotype werden größtenteils erlernt. Von unserem Umfeld auch durch die Gesellschaft selbst. Teilweise sind bestimmte Vorurteile bereits so normalisiert und in unserem Alltag verankert, dass man von institutionalisierten Vorurteilen spricht. Aufgrund von normativen Regeln und Neigungen übernehmen wir diese gelernten Vorurteile und Stereotype oft für uns selbst, um zur allgemeinen Konformität beizutragen.

Entsteht ein solches Gedankenmuster erst einmal, ist es schwer dieses wieder abzuschütteln. 

Dennoch haben Menschen generell die Fähigkeit zu kontrollieren ob Sie ihnen bekannte Vorurteile/Stereotype in ihrem Handeln gegenüber sich selbst und/oder anderen widerspiegeln. ¹

 

Wie gelingt ein effektiver Abbau von Vorurteilen?

 

Es ist also wichtig die eigenen vorherrschenden Stereotype also solche zu erkennen, den Wahrheitsgehalt dieser Gedanken immer zu hinterfragen und vielleicht auch mal die eigene Perspektive zu Wechseln. Wenn man sich aktiv mit alten Denkmustern auseinandersetzt, kann man dem Entstehen von Vorurteilen entgegenwirken und sein eigenes Handeln anpassen. Denn die oben genannten Stereotype und Vorurteile sind noch harmlos gegenüber vielen anderen weit verbreiteten, welche reale negative Folgen für die Betroffenen haben. Deswegen liegt es in der Verantwortung von jedem Selbst sich mit seinen eigenen Vorurteilen auseinander zu setzen und diese Schritt für Schritt abzubauen.

 

¹ Devine, P. G. (1989). Stereotypes and prejudice: Their automatic and controlled components. Journal of Personality and Social Psychology, 56

Und was bedeutet das für das Coaching?

Stereotype leiten das Verhalten im zwischenmenschlichen Miteinander auch unbewusst. Konflikte in Gruppen und Teams können so erforscht und erklärt werden.


Impression Management - gezielte Selbstdarstellung im Alltag.

Beim „Impression Management“ handelt es sich um eine unbewusst oder auch bewusst gesteuerte Form der Selbstdarstellung. Wir versuchen uns so zu präsentieren, dass wir unserem Umfeld gefallen und „managen“ so unseren „Eindruck“ gegenüber Anderen. Dabei handelt es sich nicht immer um einen gezielten Täuschungsversuch, um mehr Sympathien zu erhalten, sondern kann auch durchaus dazu dienen unser inneres Selbstbild nach außen hin richtig zu repräsentieren. Impression Management betreibt so gut wie jeder in fast alles sozialen Situationen. Ob bei Interaktionen mit Arbeitskolleg*innen, der Familie oder auch bei Fremden. Wir versuchen fast immer einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

 

Impression Management läuft in Zwei-Stufen ab:

 

1. Impression Motivation – warum möchte ich einen bestimmten Eindruck vermitteln?

2. Impression Construction – wie schaffe ich es diesen Eindruck zu vermitteln?

 


Liegt ein bestimmtes Ziel, welches durch das Impression Management erreicht werden soll, vor, beginnt die gezielte Konstruktion des zu vermittelnden Eindrucks. Dabei spielen fünf Faktoren eine entscheidende Rolle:

  1. Das Selbstkonzept – wer bin ich?
  2. Erwünschte/unerwünschte Identitäten – wer will ich sein?
  3. Rollenvorgaben – wie sollte ich sein?
  4. Werte der Zielperson – was gefällt meinem Gegenüber?
  5. Aktuelles und zukünftiges Sozialesbild – wie möchte ich jetzt und zukünftig von anderen Wahrgenommen werden?

Unter Einbezug dieser Faktoren formt und beeinflusst man wie einen andere Personen wahrnehmen. Der „erzeugte“ Eindruck ist dabei immer Situation bzw. personenabhängig.

 

Es gibt verschiedene Taktiken des Impression Managements, unter anderen:

  • Integration: hierbei wird Schmeicheln oder Loben genutzt, um einer anderen Person zu gefallen.
  • Selbst-Sabotage: hierbei legt man sich selbst Steine in den Weg, um ein mögliches späteres Versagen statt auf sich selbst auf genau dieses Hindernis zurückführen zu können. Ein Beispiel dafür wäre es, wenn man (unbegründet) betont, dass der Chef einen nicht mag und man daher keine Beförderung erhält, anstatt es auf die eigene Leistung zurückzuführen. In solchen Situationen dient Impression Management auch dazu den eigenen Selbstwert zu schützen. 

In welchen Kontexten betreiben Sie gezieltes Impression Management? Oder, wo denken Sie, werden Sie gezielt beeinflusst eine Person/Sache gut zu finden?

 E. Goffman: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München 2003, E. E. Jones: Ingratiation: A social psychological analysis. Appleton-Century-Crofts, New York 1964.

 

Und was bedeutet das für das Coaching?

Dazu ein kleiner Literaturtipp: "Quo vadis Ego? Die Entwicklung von Identität im Kontext psychosozialer Einzelberatung" von Hellwig, Ch.


*Texte von Emma Pruss, Studierende der Angewandten Kognition und Medienwissenschaften.