Carl Rogers Theorie-Definitionen

Kurz und verständlich

Bei der Entwicklung seiner „Theorie der Psychotherapie, der Persönlichkeit und zwischenmenschlichen Beziehungen", hatte Carl Rogers und sein Team verschiedene, miteinander zusammenhängende Konstrukte formuliert. Dies, mit der Absicht, seinen Forschungserkenntnissen eine spezifische Bedeutung zu geben. Dadurch konnte er seine Theorie sehr präzise ausarbeiten und ein genaues Verständnis und Nachvollziehen seiner Hypothesen, war und ist durch die Begriffe möglich. Die Erkenntnisse dieser Theorie sind die Grundlage unseres personzentriert-integrativen Vorgehens im Coaching.

Dieses Glossar soll dabei helfen,

1. die Aussagen und die Theorie der Personzentrierten Psychotherapie, der "Gesprächspsychotherapie", leichter zu verstehen.

2. die Erkenntnisse der Theorie im Coaching sinnvoll nutzen zu können.


Was meint Rogers mit Erlebnis, Erleben und Erfahrung?

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Erlebnis

Dieser Begriff beinhaltet alles, was sich in einem bestimmten Augenblick (Hier-und-Jetzt), im gesamten Körper (Denken, Handeln, Fühlen), abspielen kann. Unabhängig davon, ob es bewusst wahrgenommen wird, oder nicht – doch alles was bewusst wahrgenommen werden könnte. Vegetative Prozesse schließen sich damit aus.

 

Erfahrung

Eine „Erfahrung machen“ bezieht sich zwar auch auf das Hier-und-Jetzt, auf das, was in einem unmittelbaren Moment erfahren wird. Und es schließt die Erinnerungen mit ein, die durch dieses Erlebnis aktiviert werden: Marita hatte ein Erlebnis, das sie mit ihren früheren Erfahrungen nicht zusammenbringen kann. Oder: Tobias hat gerade etwas erlebt, dass ihn an eine frühere Situation erinnert hat.

 

Gefühl, Erleben eines Gefühls

Ein Gefühl kann nur in der unmittelbaren Gegenwart (Hier-und-Jetzt) erlebt werden. Das Erleben eines Gefühls setzt die bewusste Erfahrung voraus und verweist somit auf die Einheit von Emotion und Kognition: „Ich bin fröhlich“, „ich ärgere mich über mich selbst“, „jetzt gerade merke ich, wie erschöpft ich doch bin“ – ein Gefühl wird gerade, in der Gegenwart, voll und ganz erlebt; Emotion, Gedanken, Handeln stimmen überein. Die Person ist kongruent. Stimmen Emotion, Gedanken und das Handeln nicht überein und der Person wird das gewahr, dann erlebt sie gerade ihre Inkongruenz.


Bedeutung für das Coaching: Wie erlebt und erfährt sich der Klient im Prozess des Coachings? Wie in einem spezifischen Moment? Dies aufgreifen zu können und personzentriert dem Bewusstsein zugänglich zu machen, ist der große Gewinn, der aus dem Geschehen im Hier-und-Jetzt gezogen werden kann.


Was ist das Bewusstsein? Carl Rogers wählte diese Begriffe, um „Bewusstsein“ zu definieren; und so haben wir sie "übersetzt":

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Gewahrwerdung und Symbolisierung

Die beiden Begriffe werden synonym verwendet. Sie sind stellen eine sinnbildliche („symbolische“) Repräsentation eines Teils unserer Erfahrung dar. Etwas wird verbildlicht, innerlich dargestellt: „Ich fühle mich ganz wattig“. Dieses Gewahrwerden kann verschiedene Grade aufweisen – von klar und scharf, bis dumpf und kaum wahrnehmbar „Irgendwie fühle ich mich so glücklich; ich weiß nicht warum“. Dann bewegt sich ein Gefühl „am Rande der Gewahrwerdung“: eine Erfahrung ist noch nicht ganz zugänglich.

 

Exakte Symbolisierung

Etwas ist im Inneren entstanden UND diese symbolische Repräsentation wurde durch Überprüfungen, durch Offenheit in der Erfahrung, durch das Zulassen von Versuch und Irrtum, in seiner Gültigkeit getestet. -- Wie häufig sind Menschen der Meinung, dass ihre Erfahrungen mit der Realität übereinstimmen („Genau so ist das“)? Diese aber nie in konstruktiver, sozialer Auseinandersetzung prüfen? Dann wäre diese Annahme zwar symbolisiert – der innere Zustand wird als „Realität“ wahrgenommen – jedoch nicht exakt symbolisiert.

 

Wahrnehmung

Für Rogers war eine psychologische Definition des Begriffs leitend und stellte fest: "Wahrnehmung" wird dann benutzt, wenn die Bedeutung der Reize in einem Prozess betont werden will. „Dies ist ein PC“. „Dies ist ein Smartphone“ - so nehmen wir charakteristische Eigenschaften wahr, die in anderen Situationen ihre Gültigkeit behalten. Im Gegensatz dazu deckt Gewahrwerdung die Bedeutung mit ab. „Das ist ein PC und ich freue mich (gerade), dass ich ihn wieder benutzen kann.“


Im personzentriert-integrativen Coaching hat damit die individuelle Erfahrung und die Bedeutung der Erfahrung Vorrang: wie nimmt der Klient in dem Moment, wenn er von einer Situation berichtet, sich wahr? Wie ordnet er das Wahrgenommene ein? In welchem Umfang können aktuelle Erfahungen zugelassen werden?


Was ist das "Selbst"? Oder: Wie verstehen und sehen wir uns selbst?!

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Selbsterfahrung

Selbsterfahrungen sind das Rohmaterial, aus dem das Selbstkonzept geformt wird: So, wie sich eine Person erfährt, wird sie auch fühlen und sich auch dementsprechend verhalten. Unabhängig, ob es der Realität entspricht! Es ist ihre Sicht, in sich selbst. Diese Eigensicht geht mit der Fähigkeit sich selbst zu erforschen einher. Mit ihr kann eine Stimmigkeit (Kongruenz) überprüft und an die Gegenwart angepasst werden.

 

Selbst, Selbstkonzept

Diese Begriffe beziehen sich darauf, wie eine Person sich selbst wahrnimmt und schließt die Erfahrungen durch ihre Beziehungen zu anderen Personen mit ein sowie die, mit diesen Erfahrungen verbundenen, Werte und Bewertungen.

 

Selbststruktur/Selbstideal 

Von Selbststruktur wird gesprochen, wenn aus einem äußeren Bezugsrahmen - aus der Perspektive einer anderen Person - auf eine Person geblickt wird. Selbstideal verwendet Rogers als Synonym für das Selbstkonzept: welche Eigenschaften, Fähigkeiten eine Person am liebsten besäße, worauf sie den höchsten Wert legt.


Was bedeutet das für das Coaching? Menschen sind „geschlossene Systeme“. Daher kann eine Selbstüberprüfung – je nach der Verborgenheit des Themas – schwierig sein. Im Coaching muss jedoch gerade deshalb die Bedeutung der Selbsterfahrung und die Sicht auf das Selbstkonzept integriert werden! Ohne Verstehen dieser inneren Struktur bleibt diese geschlossen. Das personzentrierte Beziehungsaxiom oder auch die personzentrierte Beziehungstrias (Wertschätzung, Empathie, Kongruenz) ist dabei für uns das Fundament.


Was ist Inkongruez und welche Auswirkungen hat sie?

Die Personzentrierte Persönlichkeitstheorie geht davon aus, dass sich im Verlauf der frühen Biografie häufig Widersprüche zwischen dem wahrgenommenen, eigenen Selbst und der tatsächlich organismischen Erfahrung entwickeln – also dem, was eine Person „in sich“ erlebt.

Beispiel: Eine Person nimmt sich selbst als jemand wahr, der die Charaktereigenschaften (z.B.) großzügig und warmherzig besitzt und die Gefühle der Verbundenheit und Dankbarkeit erlebt. Jedoch würde eine genaue innere Betrachtung dieser Erfahrungen Gefühle wie Ärger und Trauer aufweisen und es würde sich ein Charakterzug zeigen, der nicht mit dem wahrgenommenen übereinstimmend ist.Diese Person würde sich dann in einem Zustand der Inkongruenz befinden. Die dazugehörigen Begriffe sind diese:

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Verletzlichkeit

Wenn Inkongruenz besteht, dann ist eine Person potentiell anfällig für Angst und ein Bedrohungsgefühl. Der Begriff der Verletzlichkeit bezieht sich daher auf den Zustand der Inkongruenz zwischen Selbstkonzept und Erfahrung (vgl oben).

 

Angst

Angst ist die Antwort des Organismus auf die unterschwellige Wahrnehmung einer Diskrepanz zwischen Selbstkonzept und Erfahrung. Er löst Spannungen und Unwohlsein aus, das auch nur latent wahrnehmbar sein kann. Jedoch ist Angst auch ein Zeichen dafür, dass sich das Wissen um den momentanen Zustand dem Vorbewusstsein nähert.

 

Bedrohung

Wenn Angst entsteht, dann kann sich die Person bedroht fühlen. Es ist in einer Erfahrung, die Inkongruent mit der Selbststruktur ist. Vom sozialen Standpunkt aus, kann die Person dann irritierend reagieren; die Innensicht der Person selbst, kann sich selbst als angepasst sehen.


Im personzentriert-integrativen Coaching ist das Erkennen der Inkongruenz maßgeblich für den Coachingerfolg. Denn, wenn der Zustand der inneren Bedrohung nicht wahrgenommen oder nicht verstanden wird, können Schutz- und Abwehrmechamismen die weitere Beziehung und damit die Entwicklung belasten oder unmöglich machen.


Die Reaktion auf Bedrohung: Schutz- und Abwehrmechanismen

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Abwehrverhalten

Ein Abwehrverhalten ist die Antwort des Organismus auf Bedrohung. Das Gesamt der Person (körperlich, geistig, seelisch) verfolgt das „Ziel“ das gegenwärtige Selbstbild aufrecht zu erhalten. Dazu werden die aktuellen Erfahrungen von der Gewahrwerdung fern gehalten, abgewehrt.

 

Wahrnehmungsverzerrung

Um das zu „sichern“, werden Wahrnehmungen z.B. verzerrt oder verleugnet. Das geschieht z.B- auf diese Weise: Enthält das Selbstkonzept das Charakteristikum „Ich bin ein besonders guter Mitarbeiter“ kann die Erfahrung schlechter Beurteilungen dadurch verzerrt werden, in sie z.B. umgedeutet wird in: „Der Chef hat eben keine Ahnung“.

 

Intensionalität

Eine andere Art sich vor Bedrohungen zu schützen, ist die Intensionalität, oder Verallgemeinerung. Dann gelingt es der Person nicht, das eigene Reagieren nach der Realität auszurichten. Sie bringt Tatsachen und Bewertungen durcheinander. Situationen werden abstrahiert, anstatt sie auf Realität


Was bedeutet das für das Coaching? Schutz- und Abwehrmechanismen zeigt jede Person - mehr oder weniger stark ausgeprägt. Im Coaching sollten diese Muster daher 1. erkannt werden, 2. als solche verstanden werden und 3. als beste Lösungen für frühere schwierige Situationen anerkannt werden. Eine vertrauensvolle Beziehung zum Coach ist gerade in solchen Situationen das Wichtigste, um einen weiteren Entwicklungsprozess zu ermöglichen. 


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